Balogun wirkungslos: Belgien stoppt die USA
Belgien hat völlig unbeeindruckt von der "Causa Balogun" die Soccer-Party der USA gecrasht und den Co-Gastgeber aus dem Turnier geworfen. Angeführt von Doppelpacker Charles De Ketelaere gewannen die eiskalten Roten Teufel das brisante WM-Achtelfinale gegen die USA mit dem vom Weltverband FIFA begnadigten Folarin Balogun mit 4:1 (2:1). Sie treffen nun am Freitag in Los Angeles auf Europameister Spanien.
De Ketelaere (9., 33.), Hans Vanaken (57.) und Romelu Lukaku (90.+3) führten die Belgier zum vierten Mal in ihrer Geschichte in ein WM-Viertelfinale, die Kritik aus den ersten WM-Wochen scheint endgültig verstummt. Anders in den USA: Der "American Dream" ist geplatzt, die Entrüstung um die von der FIFA aufgehobenen Sperre für Balogun wird zumindest den Weltverband noch länger beschäftigen, wobei ein Einzug ins Viertelfinale dem Fall wohl noch zusätzliche Brisanz verliehen hätte.
Stattdessen aber blieb Baloguns Einsatz bedeutungslos. Ausgerechnet im wohl wichtigsten Spiel der jüngeren Verbandgeschichte zeigte das US-Team von Trainer Mauricio Pochettino seine schlechteste Turnierleistung und schied nach Kanada und Mexiko als dritter Co-Gastgeber im Achtelfinale aus. Eine katastrophale Defensivleistung konnte auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Leverkusens Malik Tillman (31.) nicht wettmachen.
Der Sport war vor dem Spiel durch Baloguns von der FIFA aufgehobenen Sperre fast vollständig in den Hintergund gerückt. Vorangegangen war ein Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Präsident Gianni Infantino. Während Trump betonte, er habe lediglich um eine Überprüfung von Baloguns Roter Karte aus dem Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) gebeten, wiesen Infantino und die FIFA jegliches Fehlverhalten von sich.
Für Entrüstung sorgte die Entscheidung dennoch - nicht nur bei den unmittelbar betroffenen Belgiern. Den Versuch des Verbands RBFA, die Aufhebung der Sperre anzufechten, wies die Berufungskommission der FIFA als unbegründet ab. Die Belgier kündigten daraufhin weitere Konsequenzen an, sollte Balogun in Seattle "auf dem Spielberichtsbogen des Schiedsrichters aufgeführt sein".
Und das war er dann auch. Als der 25-Jährige rund 45 Minuten vor dem Spiel den Rasen betrat, wurde er genau wie seine Mitspieler mit "U-S-A, U-S-A!"- Rufen gefeiert, sein Name bei Verkündung der Startaufstellungen am lautesten bejubelt. Auf der Tribüne nahm Infantino neben Belgiens Verbandspräsidentin Pascale Van Damme Platz. Das Spiel war aufgeladen: Die Belgier würden in Seattle "nicht die Nationalmannschaft oder den Verband" verteidigen, hatte Trainer Rudi Garcia betont, sondern "den Fußball mit seiner Ethik und Integrität".
Die Ansage schien bei den Spielern zu verfangen. Auch ohne Anführer Kevin De Bruyne und Flügelstürmer Jérémy Doku, die beide auf der Bank blieben, hatte Belgien die USA in Großteilen der ersten Halbzeit komplett unter Kontrolle. Beim ersten Treffer von De Ketelaere zeigte sich die US-Abwehr - allen voran Kapitän Tim Ream - dem Anlass unangemessen total schläfrig.
Balogun hing im Sturmzentrum lange komplett in der Luft - bis er nach einer halben Stunde einen Freistoß herausholte. Den verwandelte Tillman, Vanaken hatte den Ball unhaltbar für seinen Torwart Thibaut Courtois abgefälscht. Die Freude auf den Rängen hielt jedoch gerade einmal 116 Sekunden. Erneut schlief die US-Verteidigung, erneut war De Ketelaere der Nutznießer.
Pochettino trat an der Seitenlinie frustriert gegen einen Getränketräger, auf den Rängen herrschte Ernüchterung. Belgien? Verteidigte diszipliniert - und konnte sich vorne einmal mehr auf die Amerikaner verlassen: Torhüter Matt Freese zögerte weit vor seinem Strafraum mit dem Ball am Fuß viel zu lange, De Ketelaere spitzelte ihn zu Vanaken, der aus der Distanz nur noch einschieben musste.
Pochettino reagierte und nahm unter anderem Christian Pulisic vom Feld. Völlig ernüchtert sah der Starspieler dabei zu, wie seine Mitspieler nochmal alles nach vorne warfen - aber von den Belgiern weiter abgekocht wurden.
(E.Taylor--TAG)