Präsidentenstichwahl in Brasilien: Rechtsgerichteter Kandidat Bolsonaro gibt Stimme ab
Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien hat der rechtsgerichtete Kandidat Flávio Bolsonaro am Sonntag seine Stimme abgegeben. "Brasilien hält nicht noch einmal vier solcher Jahre aus", sagte der Herausforderer des linksgerichteten Amtsinhabers Luiz Inácio Lula da Silva vor einem Wahllokal in Rio de Janeiro. "Das Leben aller hat sich verschlechtert." Für das bevölkerungsreichste Land Südamerikas sei "die Stunde für einen echten Wandel" gekommen.
Flávio Bolsonaro ist der älteste Sohn des inhaftierten ultrarechten ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro. Bei der Stichwahl zeichnet sich ein äußerst knappes Rennen zwischen Flávio Bolsonaro und Amtsinhaber Lula ab. Eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Instituts Datafolha ergab ein Patt. Fast 160 Millionen Menschen sind wahlberechtigt.
Die erste Wahlrunde Anfang Oktober hatte Flávio Bolsonaro überraschend mit 47 Prozent der Stimmen gewonnen. Lula kam auf 45 Prozent. Anschließend wurde der Wahlkampf noch hitziger. Die meisten Umfragen hatten Bolsonaros Sieg bei der ersten Wahlrunde nicht prognostiziert, stattdessen sagten sie einen knappen Sieg für Lula voraus.
Der Urnengang in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft ist eine bedeutende Richtungswahl. Der seit 2023 erneut regierende Lula, der kommende Woche 81 Jahre alt wird, steht für umfangreiche Sozialprogramme, Klimaschutz und Multilateralismus. Nach Lulas Niederlage in der ersten Wahlrunde richtete sein Wahlkampfteam seine Kampagne neu aus und setzte verstärkt auf Präsenz in den Online-Netzwerken.
Der 45-jährige Flávio Bolsonaro will hart gegen die Kriminalität im Land vorgehen und eine halbe Million zusätzliche Haftplätze in Brasiliens Gefängnissen schaffen. Außerdem hat er angekündigt, die Staatsausgaben zurückzufahren. Im Falle seiner Wahl will der Politikerspross außerdem seinen Vater und die anderen Teilnehmer des Putschversuchs gegen Lula begnadigen.
Jair Bolsonaro hatte die Präsidentschaftswahl 2022 knapp gegen Lula verloren, Tausende seiner Anhänger stürmten daraufhin das Regierungsviertel in Brasília. Ein Gericht verurteilte den Ex-Präsidenten wegen eines geplanten Staatsstreich zu 27 Jahren Gefängnis. Aus gesundheitlichen Gründen befindet sich der 71-Jährige derzeit im Hausarrest.
(F.Allen--TAG)