Steinmeier und Macron besuchen französische Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen
Zum Abschluss seines zweitägigen Staatsbesuchs in Frankreich hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Themen Raumfahrt und nukleare Abschreckung in den Mittelpunkt gestellt. Gemeinsam mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron besuchte er am Freitag mehrere darauf spezialisierte Unternehmen. Ein ursprünglich geplantes Mittagessen im Rathaus von Bordeaux wurde an einen anderen Ort verlegt. In der Stadt war es im Zuge der Schülerproteste in den vergangenen Tagen zu Ausschreitungen gekommen.
"Die Besuche stehen im Zeichen der Stärkung der europäischen Souveränität in der Raumfahrt und der europäischen Wettbewerbsfähigkeit", betonte das französische Präsidialamt am Freitag. Zunächst besuchten beide Präsidenten das deutsch-französische Unternehmen The Exploration Company in Le Haillan, das eine mehrfach einsetzbare Raumkapsel entwickelt. "November 2028 ist unser nächstes großes Datum", sagte die Unternehmenschefin Hélène Huby, die das Unternehmen 2021 gegründet hatte, um nach eigenen Worten Europa einen Platz am Tisch der Raumfahrtnationen zu sichern. Zu diesem Termin soll die Raumkapsel Nyx an der Internationalen Raumstation ISS andocken. Langfristig soll die Raumkapsel auch Astronauten ins All bringen.
Nyx soll zunächst an Bord einer Ariane-6-Rakete ins All befördert werden, aber auch mit anderen Trägerraketen kompatibel sein. Parallel dazu entwickelt The Exploration Company eine eigene Trägerrakete.
Macron und Steinmeier besuchten anschließend einen Standort des Unternehmens ArianeGroup, das unter anderem die Ariane 6 und die Interkontinentalrakete M51 baut. Zum Abschluss besuchten die beiden Staatschefs das Forschungszentrum Laser Mégajoule, wo die physikalischen Bedingungen von Atomwaffentests simuliert werden. Dieses biete "einen Einblick in das technologische Herz der französischen nuklearen Abschreckung", sagte Steinmeier. Die Forschungsanlage war eingerichtet worden, nachdem Frankreich seine Atomwaffentests im Pazifik eingestellt hatte.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und seine französische Amtskollegin Catherine Vautrin wiesen am Rande des Besuchs Berichte über ein Ende des deutsch-französischen Kampfpanzerprojekts MGCS zurück. "Das Projekt MGSC ist nicht beendet, es ist nicht tot", sagte Pistorius am Freitag mit Blick auf eine Aussage des französischen Generalstabschefs Fabien Mandon. Dieser hatte am Vortag gesagt, Deutschland habe sich aus dem Vorhaben "zurückgezogen".
Der gemeinsam geplante Kampfpanzer sei weiterhin ein "Kernprojekt der deutsch-französischen Kooperation bei Landsystemen", betonte Pistorius. Er werde nicht zulassen, dass dieses schlechtgeredet werde, zumal am Tag von Steinmeiers Staatsbesuch. Im Mittelpunkt des Projekts stünden "die digitale Informationsverarbeitung im Kampf, unbemannte Systeme und automatisierte Verarbeitung", sagte der Verteidigungsminister.
Am ersten Tag seines Staatsbesuchs war Steinmeier, der von mehreren Ministern und Ministerpräsidenten begleitet wurde, in Paris mit militärischen Ehren empfangen worden. Nach einem Gespräch mit Macron im Elysée betonte Steinmeier bei einer gemeinsamen Presseerklärung Deutschlands Festhalten an der europäischen Verankerung.
Bei der Gelegenheit wurde auch ein neues Rahmenabkommen für das Deutsch-Französische Jugendwerk unterzeichnet. Dadurch wird der seit 2019 bestehende Bürgerfonds, der grenzüberschreitende Projekte fördert, in das Jugendwerk eingegliedert.
(O.Garcia--TAG)