Sicherheitskreise: Aufständische Soldaten greifen Präsidentenpalast im Niger an
Im westafrikanischen Niger haben aufständische Soldaten nach Angaben aus Sicherheitskreisen den Präsidentenpalast im der Hauptstadt Niamey angegriffen. Die Präsidialgarde habe den Angriff in der Hauptstadt Niamey zurückgeschlagen, hieß es am Samstag aus Sicherheitskreisen. Die Militärregierung erklärte, sie bringe die Lage "schrittweise wieder unter Kontrolle".
Die Nacht hindurch waren in Niamey Schusswechsel zu hören, vor allem rund um den Präsidentenpalast, aber auch nahe dem Flughafen, wo sich ein wichtiger Militärstützpunkt befindet. Das Staatsfernsehen war am Morgen zeitweise unterbrochen.
In einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung forderte Verteidigungsminister Salifou Mody die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Sicherheitskräfte seien "zur Verteidigung des Heimatlandes mobilisiert".
Ein afrikanischer Diplomat in Niamey sagte, bislang stehe die Präsidialgarde offenbar weiter hinter Militärmachthaber Abdourahmane Tiani. Der Niger wird seit einem Putsch im Jahr 2023 von einer Militärjunta unter Tiani regiert. Das westafrikanische Land hat sich seither vom Westen ab- und Russland zugewandt.
Die Militärregierung erklärte, aufständische Militärs hätten versucht, Soldaten an einem Militärstützpunkt am internationalen Flughafen von Niamey festzusetzen. Zeugen berichteten von schweren Feuergefechten und Explosionen an dem Militärstützpunkt 101. Dort befindet sich das Hauptquartier des russischen Afrika-Corps und der Generalstab der Streitkräfte der Allianz des Sahel-Staaten (AES). Zwischen Dezember und Januar wurde dort eine große Ladung Uran für den Export gelagert. Seither hat es keine Berichte über einen Transport der Fracht gegeben.
Der Flughafen von Niamey wurde bereits im Januar von Kämpfern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und Ende Juni von dessen Rivalen JNIM, dem Sahel-Arm des Extremistennetzwerks Al-Kaida attackiert. Die Armee konnte beide Angriffe abwehren, allerdings wurden bei dem Angriff im Juni elf Soldaten und zwei Zivilisten getötet.
Militärs hatten am 26. Juli 2023 im Niger den demokratisch gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum gestürzt und die Macht im Land übernommen. Für die USA und die frühere Kolonialmacht Frankreich war der Niger bis dahin ein wichtiger Ausgangspunkt für Einsätze gegen Dschihadisten. Im Dezember 2023 verließen die letzten französischen Soldaten auf Wunsch der neuen Machthaber das Land.
(N.Miller--TAG)